Das ROLAND FR-4x – Ausführlicher Testbericht

Vom ersten Eindruck her könnte man das Roland FR-4x V-Akkordeon als Nachfolger des sehr erfolgreichen FR-3x einstufen.

Roland hatte aber eine andere Idee: Man wollte einen leichten Bruder des  aktuellen Top Modells FR-8x bauen. Also: Deutlich weniger Gewicht, jedoch mit den Klängen und vielen Möglichkeiten des Premium Modells.

Bei dieser Idee musste man zunächst eine fest eingebaute Akkubatterie (welche 1,4 kg wiegt) verzichten, auch die Gehäusegröße ist reduziert und entspricht dem FR-3x. Also auch 120 Bässe und 37 Diskanttasten (bzw. 92 Knöpfe beim FR-4xb)

Wie das FR-3x lässt sich das 4er auch mit leistungsfähigen 10 AA Batterien (oder Akkus) bis zu 6 Stunden ohne Strom betreiben.

Die MM AKKU Pack Lösung macht den Wechsel der Batterien noch deutlich leichter: Der komplette Batterien Pack entnommen, mittels einem externen Netzteil geladen und danach wieder in den Schacht eingesetzt.

ROLAND FR-4x – die wichtigsten Funktionen im Einzelnen – und der Vergleich mit dem FR-8x:

Outfit und Bedienungskonzept: Ähnlich wie das FR-3x kommt das neue FR-4x sehr leicht und kompakt daher. Im Gegensatz zum Vorgänger FR-3x befinden sich nun aber genügend wichtige Buttons für den im Liveeinsatz so wichtigen, direkten Zugriff auf der Vorderseite. Die einzelnen Sektionen wie z.B. Orchesterbass, Orgel oder Akkordeon lassen sich alle via Buttonknopf aktivieren, bzw. deaktivieren.

Display: Ebenso hat das FR-4x ein ordentliches Display erhalten. (hier wurde beim FR-3x echter Minimalismus betrieben….)

Alle wichtigen Daten sind gut lesbar, es fehlt zwar das noble Drehrad vom FR-8x, man hat sich aber an die „Pfeil links-rechts-oben-unten“ Bedienung schnell gewöhnt und hat einen guten Zugriff auf die einzelnen Parameter.

Der Masterbar sowie auch die Kinnregister bleiben dem großen Bruder FR-8x vorenthalten, ebenso die Aftertouch Funktion.

Akkordeonklänge: Roland hat über 10 Jahre geforscht um das Akkordeon in digitaler Form so authentisch wie möglich klingen zu lassen. Das Ergebnis ist immer wieder verblüffend, auch die Fachwelt – sprich professionelle Akkordeonisten- greifen gerne auf das V-Akkordeon zurück um ihre musikalischen Ideen zu verwirklichen. Bereits die internen Akkordeonklänge – von Classic bis French Musette – klingen überragend. Zudem lassen sich diese nacheditieren und abspeichern.

Eine weitere Erkenntnis ist, das MM-Registrationen, die wir vom FR-8x in das FR-4x gespielt haben beinhalten viele editieren Akkordeonklänge. Diese werden nahezu 1:1 übernommen, selbst filigrane Klangänderungen (die eigentlich nur dem FR-8x vorbehalten sind) hören wir im FR-4!

Weitere Akkordeon- sowie auch Orchesterklänge mit den Bezeichnungen ALPIN, DALLAPE, BALKAN sowie „ORCHESTER SE“ (ganz im Stile eines Elektroniums welches bei Akkordeonorchester verwendet wird) ergänzen die ohnehin schon große Bandbreite an Klängen.

Orchesterklänge: Die 162 Orchesterklänge des FR-8x wurden auch dem FR-4x spendiert. Das Basismaterial klingt (fast) immer sehr gut, zudem gibt es auch beim FR-4x die Möglichkeit der Klangbearbeitung (Hüllkurve, Filter…)

Diese Orchesterklänge lassen sich wie beim FR-8x beliebig auf Bass, Akkord oder die rechte Hand zuordnen. Beim FR-8x hat man zwei Orchesterklang Sektionen, (gleichzeitig verwendbar) beim FR-4x ist es dagegen eine Sektion.

Viele hilfreiche Funktionen, wie z.B. das VOICING“ für den Orchesterakkord sind vorhanden. Das ist genial, denn so wird z.B. eine Gitarre in der Begleitsektion viel lebendiger weil bei mehrmaligem Drücken des Akkords die Tonhöhe geändert wird. Auch eine Harfe klingt da in der Stubenmusik Registration plötzlich sehr lebendig und stilecht.

Die vier zusätzlichen Effektblöcke mit ihren virtuellen Einstellungsmöglichkeiten bleiben dem FR-8x vorbehalten, der große Bruder kann halt immer noch etwas mehr. Die hätten wir gerne gesehen,  denn gerade bei den MM Registrationen greifen wir gerne auf diese zusätzlichen Effekte zurück, es ist das Sahnehäubchen für manch gerne verwendeten Klang wie z.B. eine leicht verzerrte E-Gitarre oder die „Röhrensimulation“ beim Orgelsound.

Bei der Anpassung unserer Registrierungen versuchen wir dies durch z.B. veränderte Filtereinstellungen zu kompensieren. Klasse ist nämlich, dass man beim FR-4x auch Hüllkurven, Filter und Resonanz eines Klanges – ähnlich wie bei einem Synthesizer- editieren kann, hier findet man die gleichen Parameter vor wie beim FR-8x.

Schlagzeugklänge: Ganz filigran – gleich wie beim FR-8x- lassen sich je 3 Schlagzeug- oder Perkussionsklänge auf die Bassknöpfe und ebenso die gleiche Menge auf den Akkordbereich verteilen. Die „Drum Off“ Funktion – beim Loslassen des Knopfes ertönt nochmals ein frei gewählter Schlagzeug- oder Perkussionsklang – ist ebenso vorhanden.

Tipp:Hierzu gibt es ein schönes Video auf unserem YouTube Kanal:  https://www.youtube.com/watch?v=JxGhjEhYpHs

Es stehen 3 Schlagzeug-Grundsets zur Verfügung, damit kann man alle Genres wunderbar und in sehr guter Klangqualität abdecken. Für die meisten Registrationen nehmen wir nach wie vor sehr gerne das bewährte „FR-7x“-Schlagzeug Set. Dieses beinhaltet vor allem schön klingende Becken und tolle Perkussionsinstrumente. Die Bassdrum sowie Snare klingen schön rund und voluminös.

Orgelklänge: Das Zugriegelsystem und all die anderen Orgelparameter wurden im FR-4x durch 32 integrierte und wirklich sehr gut klingende Orgelklänge ersetzt.

Besonders interessant ist, dass die von uns im FR-8x programmierte Orgelklänge vom FR-4x nahezu identisch übernommen werden. Es gibt nämlich noch 32 USER Plätze, und genau hier finden wir wieder unsere im FR-8x selbst erstellten Orgelklänge. Somit klingen die MM-Orgel/Akkordeonregistrationen ähnlich wie beim großen Bruder. Die Leslie schnell/langsam Funktion ist ebenfalls via nochmaligem Druck des Orgelregisters verfügbar.

 (Allerdings noch nicht, wenn man im UPG (=Registrations-) Modus ist - und genau da befinden wir uns ja. Sehr oft. Ein Update könnte Abhilfe schaffen)

Registrationen: Die allerbeste Nachricht kommt gleich mal an Anfang: Sämtliche MM Registrationen, die wir für den großen Bruder FR-8x erstellt haben, lassen sich auch im FR-4x installieren. Es werden von uns notwendige Anpassungen vorgenommen und schon klingt es ganz wunderbar.  

Speicherplatz für neue Klänge: Wie auch das FR-8x stehen beim FR-4x vier freie Bänke für neue Klänge zur Verfügung. Dies vier Bänke können mit den

  • ALPIN: die bewährten Oberkrainer Klänge aus dem Fr-8x.
  • DALLAPE: Sehr schöne, italienische Akkordeonklänge dieser Traditionsmarke.
  • BALKAN:   Akkordeonklänge und auch Orchesterklänge wie sie in der Balkanmusik verwendet werden
  • ORCHESTER: So klingen das Elektronium,  welches in Akkordeonorchester noch oft vorzufinden ist.


Speicherplatz Registrationen: 
Es lassen sich 98 Registrationen reinladen, weitere Registrationsbänke  können jederzeit nachgeladen werden.

Man kann ein ganzes Setup mit 98 Einzelregistrationen, einzelne Bänke (1 Bank besteht immer aus 14 einzelnen Registrationen) oder auch ganz individuell einzelne Registrationen laden. Der Vorgang ist nicht schwierig und lässt sich bei etwas Übung in wenigen Sekunden durchführen.

98 interne Registrationen reichen in der Regel aus, beim FR-8x sind es allerdings 1.400.  Aktuell bieten wir rund 260 Registrationen für das FR-4x an, auch von Roland werden 7 Bänke a 14 Registrationen beigelegt, da hat man schon die Qual der Wahl. 

Tipp: Detaillierte Informationen zu den MM Registrationen sowie auch viele Tipps und Tricks zur Bedienung des FR-4x liefert das Begleitheft. Dieses steht auch auf der Mister Music Homepage zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Auf unserem YouTube Kanal findet man zudem einige Klangbeispiele zu den MM Registrationen.

Eine PLAYLIST, um seine Lieblingsregistrationen in Ordner zu verfassen bleibt dem großen Bruder FR-8x vorbehalten. 

Tipp: Sämtliche Registrationen mal reinladen, durchspielen und sich die besten Einstellungen als Einzelregistration (beim FR-4x heißt das dann „SINGLE“) speichern. Somit kann man sich individuelle Bänke erstellen. 

Wie das Schritt für Schritt geht, wird in unserem Registrationsbegleitheft beschrieben.

Tastatur: Das FR-4x hat eine griffige, gut bespielbar Tastatur erhalten, sie wirkt noch etwas „griffiger“ wie beim Vorgänger FR-3x und lässt sich auch bei schnellen Läufen sicher spielen. Aufwendige Holztastaturen (so wie man Sie beim Bugari EVO findet) sind in der Herstellung eben teuer und somit den eher hochpreisigen Instrumenten vorenthalten.  

Dynamik: Wir kennen kein digitales Instrument, welches so viele, musikalische und kreative Ausdrucksmöglichkeiten bietet wie das Roland FR-8x. Die wesentlichen Parameter wurden hier auch dem FR-4x gespendet. (Super, da war das FR-3x doch sehr eingeschränkt)

Ein Beispiel aus der Praxis: Man kann den Kontrabass auf eine mittlere Dynamik schalten, ebenso das  Schlagzeug sowie den Gitarrenakkord. Nun hat die „Begleitband“ bei normalem Anschlag der Bass-und Akkordknöpfe immer eine moderate, satte Grunddynamik, die musikalischen Akzente werden via erhöhtem Anschlagsdruck gesetzt.

Die Mandoline, welche zum Akkordeon programmiert wird, steuert man wie ein Klavier über den Tastendruck, die Dynamik des Akkordeons wird natürlich über den Balg gesteuert.

Das erfordert etwas Übung, denn nun denkt man nicht nur an die Balgdynamik, sondern auch noch an die Anschlagsdynamik. Es ist bekannt, dass man nach 1-2 Wochen ganz erhebliche Fortschritte macht in dieser Disziplin, und so kann man die vielen Möglichen der einzelnen Dynamikstufen genial für die eigene, musikalische Interpretation nutzen.

Genial ist auch: Ebenso wie beim FR-8x ändert sich bei höherer Dynamik auch der Klang, dieser klingt dann etwas druckvoller und voller – ganz wie bei einem Original! Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir diese Möglichkeiten bei den MM Registrationen ausreichend ausschöpfen.

Alternativgeht es aber auch, dass die Dynamik aller Instrumente über den Balg gesteuert wird!

Klangsystem: Das eingebaute Lautsprechersystem im FR-4x hat im Gegensatz zum Vorgänger FR-3x deutlich an Klangwärme und Druck zugenommen. Mit dem FR-4x kann man auch mal einen Stammtisch zum Schunkeln bringen, es klingt alles sehr ausgewogen und angenehm. Zudem ist der Klang ähnlich wie beim FR-8x auch sehr differenziert, eine gute Hörkontrolle des Spielers ist vorhanden. Hierbei kann sogar noch der Gesamtklang mittels ausgefuchstem Equalizer optimiert werden. 

Line In Buchse: Ganz neu ist die Line In Buchse, hier kann eine externe Signalquelle über das Soundsystem des FR-4x übertragen werden. Mittels einem kleinen Mikrofonvorverstärker kann auch ein Gesangsmikrofon oder z.B. Headset angeschlossen werden. Bei einer Stammtisch Mucke hat man also auch ohne Strom noch eine gute Unterstützung für die Stimme. Wir haben es mit dem AKG Headset C444 plus die B23L Vorverstärkung getestet (Gesamtinvestition rund 180,-- Euro)

Oder man schließt gleich ein kleines Mischpult an. Das haben wir mal probiert mit dem kleinen Yamaha MG 06 XU, das FR-4x Klangsystem liefert überraschend gute Ergebnisse.

Aufnahme und Wiedergabe: Mit dem FR-4x kann man am Instrument das Gespielte direkt aufnehmen und auf den USB Stick abspeichern, ebenso ist ein USB Player an Bord. Die Loop Funktion des FR-8x ist dagegen nicht vorhanden.

Editor: Wer beim Erstellen von neuen Sets und Registrationen gerne ins Detail geht sollte auf den Editor zurückgreifen. Dieser wird gratis mitgeliefert und funktioniert mit jedem PC einwandfrei.  

Handhabung: Optimal ist das Gewicht 8,9  kg!! Das FR-4x ist so leicht, handlich, trotzdem hat man rechts 37 Tasten (bzw. 92 Knöpfe) sowie 120 Basstasten.

MIDI: Natürlich lassen sich - wie bei allen anderen V-Akkordeons auch- via MIDI andere Instrumente steuern. Die einzelnen MIDI Parameter sind gewohnt umfangreich vorhanden.

Verarbeitung, Qualität: Nach rund 2 Jahren seit der Markteinführung kann man dem FR-4x zudem eine überragende Qualität bescheinigen. 

Resümee: Klar, diesen „großen und mächtigen“ akustischen Klang des FR-8x kann das FR-4x schon aufgrund seiner Größe nicht ganz schaffen. Aber es klingt überraschend gut, und sobald eine externe Beschallungsanlage im Einsatz ist macht es sowieso keinen Unterschied.

Das FR-4x ist schon ein kleiner Wolf im Schafspelz! Der erste optische Eindruck mag noch an das Vorgängermodell  FR-3x erinnern, bei näherem Hinschauen sieht- erlebt- und hört man den großen Unterschied.

Das deutlich verbesserte  Lautsprechersystem  hat nicht die Power vom FR-8x, klingt jedoch überraschend rund, satt und differenziert.   Die vielen Orchestersounds und auch auf dem ersten Blick „versteckten“ Möglichkeiten geben uns als V-Akkordeon-Programmierer viel Spielraum, um tolle und sehr gut klingende Registrationen zu erstellen. Einige Basiseinstellungen können vom großen Bruder übernommen werden, vieles kann man durch „Feintuning“ perfektionieren.

Ein Upgrade vom FR-3x auf das 4er lohnt sich auf jeden Fall! Zumal man für ein gebrauchtes FR-3x (oder auch FR3, FR2) noch richtig gutes Geld bekommt.

Nach kurzer Einarbeitung kommt man mit dem FR-4x sehr gut klar. 

Unser Begleitheft, welches über sämtliche Registrationen detailreich informiert liefert zudem viele Informationen zu den wichtigsten Bedienschritten. Mister Music Kunden sind da verwöhnt, und das ist gut so.

Also: Akkordeonisten, die ein kompaktes, leichtes und doch leistungsfähiges V-Akkordeon suchen, sollten sich das FR-4x genauer anschauen! Es tendiert klar Richtung FR-8x, da darf man getrost von einer „gehobenen Mittelklasse“ reden.